Jedes Volk braucht eine leistungsstarke Königin welche bis zu 5 Jahre leben kann. Die Erbanlagen der Königin (und auch die der Drohnen die sie begattet haben) bestimmen die Eigenschaften des Volkes, wie zum Beispiel: Sanftmut, Wabensitz, Sauberkeit, Krankheitsresistenz und Honigertrag um nur ein paar zu nennen. Deshalb ist es wichtig gute Königinnen zu haben, die man nach einer Leistungsprüfung dann weiter einsetzen kann.

Königinnen selber ziehen

Wir haben uns entschieden mit Buckfastbienen zu Imkern. Prinzipiell spielt die Rasse aber keine Rolle denn die Fragestellung beim Imkern ist bei jeder Rasse die gleiche.
Um die gewünschten positiven Eigenschaften im Volk über mehrere Königinnen Generationen zu haben, kann man entweder immer wieder gute rassenreine Königinnen kaufen oder aber man probiert sich diese Königinnen selber zu ziehen. Wir haben uns für das selber ziehen entschieden denn der Lern- und Spassfaktor ist damit doch wesentlich höher!

Erster Zuchtversuch

Mitte Mai 2015 startete ich den ersten Versuch. Ich entschied mich die Königinnen im Weiselrichtigen Volk zu ziehen. Der Vorteil dieser Methode ist, dass die Bruttätigkeit nicht unterbrochen wird und der Honigertrag dennoch gewährleistet ist. Man kann also ganz normal weiter Imkern.
Ich bereitete unser stärkstes Wirtschaftsvolk vor . Zu dieser Zeit hatten wir bereits 3 Honigzargen aufgesetzt und die Königin mit dem Königinnengitter auf der untersten Brutzarge, die von Bienen fast überquellte, festgesetzt.
Ende Mai konnten wir in diesem Volk den ersten Honig schleudern und bereiteten dabei den Honigraum zur Aufnahme der beiden Zuchtlatten vor. Danach half uns ein befreundeter Imker mit erstklassigem Zuchtmaterial aus und es konnte losgehen. Die 1- max 3 Tage alten Larven kamen nach dem umlarven für einen Tag in einen Starter (6 Rähmchen Ablegerbox) den ich mit einer Futterwabe einer Pollenwabe einer verdeckelten auslaufenden Brutwabe und einer mit Wasser bespritzten Leerwabe ausstattete. Danach gab ich aus dem Honigraum Bienen von ca.8 Waben in die Ablegerbox und stellte die Box für 2-3 Stunden in einen kühlen Raum (Keller). Danach gab ich die 2 Zuchtlatten, die ich aus Honigrähmchen selber gemacht habe, dazu.

24 Stunden später werden nun die Zuchlatten in den den Honigraum umgehängt und die Bienen wieder ins Volk gegeben. Angenommen worden sind von 20 Larfen nur etwa 6. Aber hey, ist doch besser als gar keine….


Weiselzellen_1Tag
Bild: erstes Näpfchen nach 24Std. nicht angepflegt, dann 2 angepflegte Näpfchen.

5 Tage später als ich die Zuchlatten zum verschulen mit dem Nicot Schutzkäfig herausnehmen will, hat das sehr hart. Aber ich weiss ich habe mehr Kraft und nehme auch noch den Stockmeissel zu Hilfe. Ein Ruck und….ich halte die leere Zuchtlatte in der Hand. 🙁
Was ist geschehen? Die Bienen haben die selbst gebastelten Zuchlatten, die leider unten kein Abschlussholz hatten, derart mit der unteren Zarge verbaut dass sich beim herausziehen die Nicot Zäpfchen mit den Weiselzellen gelöst haben und ich sie mit dem Spachtel von der unteren Zarge entfernen musste.

Weiselzellen_verbaut

Total verbaute Weiselzellen oben die ausgerissenen Zellen im Honigraum

Weiselzellen_verbaut1

Nein meine Damen, so habe ich mir das nicht vorgestellt. 5 Tage später hatte ich die Gewissheit, alle Zellen sind eingegangen, sie waren zu fest verbaut worden, der erste Zuchversuch ist misslungen.
Wie war das noch mal mit dem Spassfaktor…?

Zweiter Zuchtversuch

Mitte Juni besuche ich wieder den befreundeten Imker der mir mit Zuchtlarven aushilft.
Hier erfahre ich dass etliche Imker ihre Zuchtserien zum grossen Teil verloren haben und ich nicht der einzige sei… “Äs Hunget” z’ stark, war seine Aussage.

Das Prozedere vom ersten Zuchtversuch wird wiederholt und ich versuche die Fehler des ersten Zuchtversuchs nicht zu wiederholen. So habe ich auch neue Zuchlatten gebaut die nun unten ein Abschlussholz haben so dass die Bienen weniger verbauen können. Es ist einfach ein Dadant Honigrähmchen in das eine zusätzliche Latte mit den Nicot Aufnahmenäpfchen eingebaut ist.
Trivial, aber offenbar kann man auch hier Fehler machen! 🙂
Nach 24 Stunden die erste positive Überraschung 14 von 20 Larven wurden angepflegt.
Die Zuchlatten kommen also wieder ins Pflegevolk und nach 5 Tagen sieht alles noch immer sehr gut aus! 11 von 14 Zellen wurden ausgebaut, fast gar nicht verbaut und können mit dem Nicot Schutzkäfig verschult werden.

weiselzellen5Tage
Bild: Schöne 5 Tage alte Weiselzellen, praktisch nichts verbaut.

Von einem anderen Imker habe ich einen Brutkasten zum Gebrauch bekommen und will diese Gelegenheit nutzen beide Verfahren zu testen. Also gebe ich 5 Zellen in den Brutkasten wo sie bei 35 Grad und 60% Luftfeuchte die nächsten 5 Tage fertig wachsen sollen.

Brutbox

Die restlichen 6 Zellen gebe ich mit ein paar Begleitbienen (sind hier noch nicht in den Käfigen) für die gleiche Zeit wieder ins Pflegevolk.

WeiselzellenSchutzkaefig
Jetzt gilt es die Begattungvölker vorzubereiten. Die Königinnen sollen in diesen Völkern schlüpfen so ist eine optimale Annahme gewährleistet. Danach werden sie in diesen Völkern dann auf die Belegstation gebracht wo sie durch rassenreine Drohnen mit guter Genetik begattet werden.

Königinnen sind geschlüpft!

14 Tage nach dem umlarven ist jetzt auch die letzte Königin geschlüpft. Aus 11 Wieselzellen sind schlussendlich 6 Königinnen geschlüpft.

Weiselzelle_geschluepft_Hochformat1

Eine positive Erfahrung mehr, denn ich dachte schon dass es auch diesmal nichts wird mit selbst gezogenen Königinnen 🙂
Mit den Erfahrungen der ersten 2 Versuche werde ich jetzt noch einmal eine Zuchtserie starten und wenn alles gut verläuft diese dann zur Belegstation bringen. Die begatteten Königinnen sollen dann in MiniPlus Beuten überwintern und im nächsten Jahr in den Wirtschaftsvölkern eingesetzt werden.